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Ein neues Gewand für die Königin der Instrumente

Kirchengemeinde sammelt Spenden für die Orgel der Erlöserkirche

(Essen, 27.11.2018) Die Evangelische Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen plant die Sanierung und Erweiterung ihrer Orgel in der Erlöserkirche: Damit aus dem neo-barocken Instrument der Firma Schuke eine vielfach einsetzbare „Universalorgel“ wird, sollen die heutigen klaren, kühlen und obertonlastigen Klangfarben um Register mit warmen, grundtönigen, gut mischfähigen romantischen Tönen erweitert und das Klangvolumen deutlich erhöht werden.

Über zwanzig Jahre nach der letzten Generalüberholung der Orgel sind zunächst eine Reihe von Reparatur- und Renovierungsarbeiten erforderlich, wie Kantor Stephan Peller erläutert: Die Steuerung der Register ist defekt, die Orgelpfeifen werden nicht mehr mit genügend Wind versorgt und viele verschlissenen Leder- und Filzteile sind zu erneuern. Die geplante Erweiterung der heutigen Orgel zur oben beschriebenen und an den großen neo-romanischen Kirchraum der Erlöserkirche angepasste „Universalorgel“ stellt darüber hinaus eine besondere und zusätzliche Herausforderung dar. Die derzeitige Stimmungsart und der viel zu hohe Stimmton beschränken den Organisten bei der Auswahl geeigneter Musikliteratur weitgehend auf Werke „Alter Meister“, während Werke späterer Komponisten – zum Beispiel von Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Max Reger – nicht angemessen wiedergegeben werden können. Derzeit ist ein gemeinsames Musizieren mit anderen Soloinstrumenten und Orchestern fast unmöglich – der Stimmton der Orgel ist mittlerweile so hoch, dass die Differenz nur mit einem besonders komplizierten Verfahren ausgeglichen werden kann.

Mit der Orgelerweiterung würde die durch Architektur, Innenraum-, Farb- und Lichtgestaltung außergewöhnlich schöne Erlöserkirche – mit dann insgesamt 55 Registern und ca. 4.500 Pfeifen – eine großartige und universell einsetzbare Kirchenorgel erhalten; mit einer Strahlkraft weit über das Stadtgebiet Essens hinaus und in das Gebiet der Evangelische Landeskirche im Rheinland hinein.

Finanzierung und Zeitplan: Die Kirchengemeinde selbst will mit 100.000 Euro an Eigenmitteln den Grundstock für das ehrgeizige Projekt legen; das Geld stammt größtenteils aus dem Verkauf der Orgel aus der ehemaligen Lukaskirche der Gemeinde und kann jetzt für die Sanierung eingesetzt werden. Kirchensteuermittel, die für die laufende Gemeindearbeit dringend benötigt werden, sollen nicht für das Projekt eingesetzt werden.

Die Entscheidung, ob die Orgel im geplanten Umfang saniert und zusätzlich auch erweitert werden kann, soll jedoch erst Ende 2019 getroffen werden – dann ist klar, ob sich die angesetzten Kosten in Höhe von insgesamt rund 675.000 Euro mithilfe von Spendern und Sponsoren finanzieren lassen. Die bisherigen Reaktionen seien ermutigend, teilten die Verantwortlichen mit – erste Einzelspenden in der Höhe von mehreren tausend Euro seien bereits eingegangen, bisherige Benefizkonzerte ließen auf hohe vierstellige Summen hoffen und auch die eine oder andere Großspende zeichne sich schon ab. Anschließend könnten die Arbeiten geplant und ab Mitte oder Ende 2021 ausgeführt werden. Für die Dauer der Arbeiten in der Kirche wird das vorhandene fahrbare Orgelpositiv in den Gottesdiensten eingesetzt. Mit der Fertigstellung wäre, wenn alles optimal verläuft, bis Ende 2022 zu rechnen. Weitere Informationen und die folgenden Statements stehen im Internet auf der Seite www.orgelerweiterung-erloeserkirche.de.

Statements von Fürsprechern

Superintendentin Marion Greve: „Was gibt es Schöneres, als sich von Musik bewegen zu lassen? Bereits Martin Luther wusste, dass da, wo Worte fremd bleiben, die Musik Brücken baut hin zu den Menschen, hin zu Gott. Wenn ich am Sonntagmorgen die ersten Töne der Orgel höre, dann spüre ich, wie mich diese Musik bewegt. In unseren Essener Kirchengemeinden erlebe ich, in welch hohem Maße die Kirchenmusik zum Aufbau der Gemeinde beiträgt. Und nicht nur das, sondern weit darüber hinaus bereichert sie das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt. Gerade die Erlöserkirche im Essener Südviertel bietet einen über die Stadtgrenzen hinaus bekannten und herausragenden Aufführungsort hochwertiger Kirchenmusik. Ihren Ausdruck findet sie in der Aufführung von Oratorien und großen Messen unter Mitwirkung des renommierten Bachchores und des Folkwang-Kammerorchesters. Mit der erforderlichen Renovierung und der geplanten Erweiterung der Orgel wird der beeindruckende Kirchraum eine adäquate Konzertorgel für große Orgelkonzerte erhalten. Der Klang dieser renovierten und erweiterten Orgel wird Menschen weit über die Gemeinde- und Stadtgrenzen hinaus begeistern.“

Oberbürgermeister Thomas Kufen „Neben dem Aalto-Theater, der Philharmonie und dem Folkwang-Museum ist das Kirchengebäude eine der herausragenden „Landmarken“ der Kulturmeile in Essen, denn sie prägt als markantes Bauwerk sehr eindrücklich das Stadtbild am südlichen Rand der Essener Innenstadt. Neben der gottesdienstlichen Arbeit ist das Tun der Gemeinde stark von der kirchenmusikalischen Ausrichtung geprägt. Die hier aufgeführten Konzerte, Oratorien und großen Messen sind fester Bestandteil des Essener Musiklebens. Das Erlöserzentrum ist eingebunden in die Kulturarbeit der Stadt Essen und Teil des Kulturpfades. Beim jährlichen Kulturpfadfest ist die Erlöserkirche einer der Veranstaltungsorte. (...) Ich wünsche der Evangelischen Erlöserkirchengemeinde für dieses Vorhaben viele Unterstützerinnen und Unterstützer, Liebhaberinnen und Liebhaber imposanter Kirchenmusik und viel Erfolg!“

Kantor Stephan Peller: „Die bestehende Schuke-Orgel zu erhalten, zu renovieren und zu erweitern, ist für die künftige Arbeit an dieser Kirche von großer Bedeutung, da hier generationsübergreifend und öffentlichkeitswirksam Tradition und Kultur vermittelt werden und in der Stadt für viele Menschen erlebbar sind. Diese Aufgabe und dieses Potential für die künftigen Generationen zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel und benötigt Unterstützung und großzügige Hilfen. Ich freue mich darauf, dieses Ziel mit verwirklichen zu dürfen und damit weiterhin vielen Menschen Freude zu bereiten, indem sie wunderbare Musik in der Erlöserkirche erleben und genießen können.“

Professor Dr. Andreas Jakob, Rektor der Folkwang Universität der Künste: „Die Evangelische Erlöserkirche ist seit vielen Jahren regelmäßig Aufführungsort großer Konzerte der Folkwang Universität der Künste (...) Der Erhalt und die Erweiterung Ihrer Schuke-Orgel wären für den Standort und unsere weitere Zusammenarbeit ein wertvoller Faktor im Hinblick auf den Ausbau unserer pädagogischen, musikalischen und konzertanten Möglichkeiten. Als Rektor der Folkwang Universität der Künste unterstütze ich dieses Projekt deshalb gerne und würde mich freuen, wenn die musikalische Landschaft unserer Stadt durch die Renovierung und Erweiterung der Orgel ein weiteres musikalisches „Juwel“ erhielte.“

Dr. Jochen Melchior, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der STEAG AG: „Ende der Neunzigerjahre trat die Leitung der Erlöserkirche an ihren Nachbarn STEAG AG heran und bat um Unterstützung für die arg in die Jahre gekommene Gestaltung des Kirchen-Innenraumes. Daraus wurde letztlich die Entscheidung, in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz der Stadt und der Kirchenleitung dem Gotteshaus ein neues strahlendes Gesicht zu schenken, das dem architektonisch gelungenem Bauwerk Rechnung trug. Nun steht der Ausbau der Orgel auf dem Programm und diese zu einem musikalischen Klangerlebnis in der Erlöserkirche zu erweitern. Meine herzliche Bitte: Helfen Sie alle mit, dass auch dieser Wunsch der Gemeinde erfüllt wird und die Erlöserkirche noch mehr Menschen anzieht und ihnen genussvolle und nachdenkliche Momente verschafft. Das wäre mir ein Herzensanliegen.“

Die Erlöserkirche

Die Erlöserkirche an der Friedrichstraße/Ecke Bismarckstraße im Essener Südviertel wurde am 1. Advent 1909 eingeweiht; ihr Innenraum zählt zu den schönsten Kirchräumen innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland. Architekt war der Berliner Gemeinrat Franz Schwechten, der auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und die Erlöserkirche in Jerusalem erbaut hat. In seiner äußeren Erscheinung entspricht die Kirche dem romanischen Stil; ihr Chor ist dem Wormser Kaiserdom nachempfunden.

Die Schulden, die die Gemeinde für den Bau der Kirche machte, waren kaum abgetragen, als die Bombardierung Essens im Zweiten Weltkrieg auch die Erlöserkirche in eine Ruine verwandelte. Bei ihrem Wiederaufbau halfen viele Essener Bürgerinnen und Bürger mit. 1957 bis 1959 gelang dem Soester Architekten Hugo Kükelhaus eine auch farblich ansprechende Neugestaltung des innenraums, die Alt und Neu eindrucksvoll verbindet. Bei einer aufwändigen Renovierung, die Ende der Neunzigerjahre begann, wurde die Orgel ausgespart. Seit 1948 ist der Essener Bachchor, ein herausragender, weit über die Region hinaus bekannter großer Oratorienchor, an der Erlöserkirche zu Hause.

Unser Bild zeigt (v.li.): Kantor Stephan Peller, Superintendentin Marion Greve, Horst Defren, Pfarrer Joachim Greifenberg und Presbyter Uldis Weide machen sich für die Sanierung und Erweiterung der Orgel in der Erlöserkirche stark. Foto: Kirchenkreis Essen/Alexandra Roth

 

 

 

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