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Ein Lied in allen Dingen

Lesung zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

(Essen, 14.01.2022) Anlässlich des Gedenktages zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz lädt die Evangelische Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen am Donnerstag, 27. Januar, um 19 Uhr zu einer Lesung mit Stefan Sprang in das Gemeindezentrum an der Erlöserkirche, Friedrichstraße 17/Ecke Bismarckstraße, ein. Der Autor, Hörfunkredakteur und Journalist stellt seinen Roman „Ein Lied in allen Dingen“ vor. Der Eintritt ist frei; um eine Spende zugunsten der Friedensinitiative „Aktion Sühnezeichen“ wird gebeten.

Sein Leben war selbst wie eine große tragische Oper: Der jüdische Tenor Joseph Schmidt (1904 bis 1942) aus der Bukowina wird Ende der 20er Jahre zum Radiostar und Liebling des Publikums nicht nur in Deutschland. Ob als Opernsänger, Schlagergott oder Filmheld, er hat weltweit Erfolg – und er kommt an bei den Frauen, obwohl er gerade einmal 1,54 Meter groß ist. Immer wieder hat „der deutsche Caruso“ Liebschaften und Affären.

Als die Nazis die Macht übernehmen, unterschätzt Schmidt die Gefahr für sein Leben. Statt sich rechtzeitig in die USA abzusetzen, beginnt er eine Flucht durch Europa, die in der Schweiz tragisch endet.

In atmosphärisch dichten Szenen und mit einem musikalisch-poetischen Sound erzählt dieser Roman von einem unglaublichen Schicksal. Dabei spannt der Autor in einer spannenden Mischung aus Fakten und Fiktion einen dramatischen Bogen vom lebensprallen Berlin Ende der 20er, wie Vicki Baum („Menschen im Hotel“) es beschrieben hat, bis zum Leid der Flüchtlinge in Anna Seghers „Transit“. Mit diesem Thema ist „Ein Lied in allen Dingen“ hochaktuell, zugleich aber auch eine zeitlose Hommage an den Zauber der menschlichen Stimme, den Schmidt mit seinem engelgleichen Tenor so sehr entfaltet hat.

Der Autor: Stefan Sprang

Stefan Sprang wurde 1967 in Essen geboren und ist im Südviertel aufgewachsen; sein Studium führte ihn nach Münster und Berlin. Mitte der Achtzigerjahre begann er mit dem literarischen Schreiben, veröffentlichte seine Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften. Seit 1990 ist er als freier Hörfunkautor und -redakteur tätig.

Für seine journalistische Arbeit bekam er den „Kurt-Magnus-Preis“ der ARD; sein 2007 erschienener Hörspiel-Monolog „helden: tot“ war für den „Deutschen Hörbuchpreis“ nominiert – die Bühnenfassung hatte 2018 in Essen Premiere. Weitere Veröffentlichungen: „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ (Roman) und der Story-Band „Boy Meets Girl oder: Die Liebe hiesiger Menschen im 21. Jahrhundert.“ Stefan Sprang lebt und arbeitet in Frankfurt/Main und Essen.

Aus dem Nachwort über die Anfänge des Projekts

„Berlin, August 1992. Nach einigen Jahren im „Studentendorf Schlachtensee“ am Rande der Stadt wird es Zeit für eine WG dort, wo das ‚eigentliche‘ Berlin lebt: Neukölln. Wie so oft: Der Vormieter hat die Wohnung offenbar ziemlich überstürzt verlassen, in einer Kammer finden wir ein Paar uralte Schlittschuhe, Mörtel, verrostete Töpfe, noch vieles andere und das: Eine Doppel-LP „Joseph Schmidt – Ein Lied ging um die Welt – Das JOSEPH SCHMIDT-Album“. Damals hatte ich noch kein wahres Herz für Oper und klassischen Gesang. Aber ich war neugierig, ich habe nicht lange gefackelt, ich habe beiden Platten bei der ersten passenden Gelegenheit aufgelegt. Das war der magische Funke …“

Pressestimmen

"Brillant … Wenn derzeit mit großer Vehemenz darüber diskutiert wird, ob und wie historische Figuren literarisiert werden können oder sogar müssen, dann liefert Sprangs großartiger Schmidt-Roman die Antwort: so!“ (Jürgen Deppe, NDR-Kultur)

„[Der Roman] geht über die nüchterne Dokumentation hinaus und beschreibt lebendig und bildhaft die Zeit vom Berlin der 20er Jahre bis ins Schweizer Auffanglager und die Pension, in der Schmidt am Ende im Schweizer Exil stirbt. Die Entwicklung Joseph Schmidts vom erfolgsverwöhnten Sänger zum verzweifelten Flüchtling schildert Sprang äußerst anschaulich.“ (Dorothea Hußlein, br-Klassik)

„Ein anrührendes Buch…“ (Ulrike Osterhage, Buchhändlerin, „Schöner Lesen“)

„Ein brillanter und vielschichtiger Roman.“ (Peter Schiborr, lokalkompass.de)

 

 

 

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