Seelsorge
Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge
Die Zuständigkeit der Pfarrstelle für Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge erstreckt sich über die neun Kirchenkreise in der Region I der Evangelischen Kirche im Rheinland: An der Ruhr/Mülheim, Dinslaken, Duisburg, Essen, Kleve, Krefeld-Viersen, Moers, Oberhausen und Wesel. Die Pfarrstelle hat ihren Sitz im Haus der Evangelischen Kirche in Essen.
Gehörlose, schwerhörige und ertaubte Christen leben mit ihrer Hörbehinderung in unseren Kirchengemeinden vor Ort. Ihre Behinderung ist eine Kommunikationsbehinderung, die sie mehr oder weniger von uns Hörenden trennt, so dass viele von ihnen nicht an den Angeboten der Ortskirchengemeinden teilnehmen können und so zu den Angeboten der Gehörlosen- und Schwerhörigengemeinden im Ruhrgebiet kommen. Nicht das Auge, sondern das Ohr ist das gemeinschaftsbildende Organ! Schwer hören, ertaubt oder gehörlos zu sein, kann bedeuten, die Umwelt nicht mehr zu begreifen, sich ihr zu entfremden, kann heißen, sie sehen zu können, aber trotzdem allein zu sein.
Wenn Hörbehinderte sich in Selbsthilfegruppen treffen – und dazu können die Gehörlosen- und Schwerhörigengemeinden durchaus gezählt werden –, dann geht es dort sehr munter zu. Bei Gehörlosen geschieht dies in einer sichtbaren, nicht akustisch wahrnehmbaren Sprache mit den Händen, der Gebärdensprache. Zum Handwerkszeug der Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge zählen deshalb Kenntnisse der psychosozialen Auswirkungen einer Hörbehinderung sowie die fortlaufende Schulung in der Gebärdensprache: Für Gehörlose die Deutsche Gebärdensprache (DGS), für Schwerhörige und Ertaubte die lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG).
Seelsorge und Begleitung gelten aber nicht nur den hörbehinderten Gemeindegliedern, die in vielen verschiedenen Kirchengemeinden wohnen, sondern immer auch den hörenden Angehörigen. Die Auswirkungen für eine Familie, wenn ein Familienmitglied selbst hörbehindert ist, sind sehr einschneidend und verändern das Leben. Darum bedeutet Seelsorge und Begleitung gehörloser und schwerhöriger Gemeindeglieder gleichzeitig auch, immer die hörenden Familienmitglieder mit im Blick zu haben.
Schwerpunkte und Angebote für gehörlose Menschen
Ein Schwerpunkt der Arbeit ist der Religions- und Konfirmandenunterricht an den Rheinischen Schulen für Hörgeschädigte in Essen (Förderschulen mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation, Primarstufe und Sekundarstufe I). Da der Schulbezirk von der Stadtgrenze Essen bis zum linken Niederrhein reicht, ist es sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Religionsunterrichtes auf die Konfirmation vorzubereiten. In Kooperation mit den Lehrerinnen und einer katholischen Gemeindereferentin werden die monatlichen Schulgottesdienste für die Grund- und Hauptschulstufe vorbereitet und im Lutherhaus in Bedingrade, Bandstraße 35, gefeiert.
Die Begleitung, Leitung und Mitarbeit in der Gehörlosengemeinde und im Evangelischen Gehörlosenverein Essen geschieht in Zusammenarbeit mit ca. 12 ehrenamtlichen gehörlosen Gemeindegliedern. Sie treffen sich zu regelmäßigen Vorstandssitzungen, Vereinsversammlungen im Anschluss an die Gottesdienste und zum vierzehntägigen Treffpunkt. Ein Kreis von Lektor*innen bereitet Lesungstexte und Gebärdenlieder vor und gebärdet diese im Gottesdienst. Es gibt vielfältige Angebote, regelmäßige Gottesdienste und Treffpunkte für gehörlose Senioren im Martineum in Essen-Steele sowie im Peter-Kuhn-Haus mit dem Wohnbereich „Sprechende Hände“ in Duisburg.
Gemeindlicher Standort der Gehörlosenseelsorge in Essen ist das Gemeindezentrum Reformationskirche in Essen-Rüttenscheid; jeden zweiten Monat finden Gottesdienste in Gebärdensprache in der Reformationskirche und monatliche Versammlungen im Gemeindesaal statt.
Mobile Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien
Seit der Übernahme der Trägerschaft für eine neue pädagogische Stelle im Rahmen der Gehörlosenseelsorge in der Region I zum 1. April 2026, zunächst befristet bis 31. Dezember 2030, gestaltet das Diakoniewerk Essen die regionale Arbeit für gehörlose Menschen noch stärker mit. Ziel ist es, die Arbeit an den aktuellen Bedürfnissen der sogenannten „deaf-community“ auszurichten.
Die Aufgabe der neuen, gebärdenkompetenten Fachkraft besteht darin, dezentrale Angebote in den beteiligten Kirchenkreisen zu entwickeln und durchzuführen. Dabei sollen Orte genutzt werden, die eine geeignete Infrastruktur bieten und gemeinsam mit den Kirchenkreisen abgestimmt werden. Insgesamt entsteht durch diese Neuordnung ein zukunftsfähiges, innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland zurzeit noch einzigartiges Modell, das sowohl die seelsorgliche Begleitung als auch die pädagogische Arbeit in der deaf-community stärkt:
Die Verbindung von theologischer Verantwortung, fachlicher Kompetenz und regionaler Zusammenarbeit ermöglicht eine moderne, inklusive und lebensnahe Ausgestaltung der Gehörlosenseelsorge und der Arbeit mit hörgeschädigten Kindern, Jugendlichen und Familien. Im Rahmen von freizeit- und religionspädagogischen Angeboten erhalten sie die Möglichkeit von Gemeinschaftserfahrungen und sozialem Lernen in ihrer sprachlichen und kulturellen Peergroup. Für die Durchführung der mobilen Angebote steht ein entsprechend ausgestatteter Kleinbus zur Verfügung. Finanziert wird das Gemeinschaftsprojekt durch die neun beteiligten Kirchenkreise.
Die Schwerhörigengemeinde Essen
Die Schwerhörigengemeinde bildet sich durch die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schwerhörigenbund (DSB) – Ortsverein Essen.
Einige Gruppen des Schwerhörigenvereins Essen wie der Freundeskreis und die CI-Gruppe (Menschen mit einem Chochlea-Implantat, einem künstlichen Innenohr) finden im Gemeindezentrum Reformationskirche und im Haus der Begegnung der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V. in der Stadtmitte statt. Dabei ergeben sich viele Seelsorgegespräche.
Ihre Gottesdienste feiert die Gemeinde alle zwei Monate freitagabends in der Marktkirche in der Innenstadt (mit Induktionsschleife, Darstellung des Gottesdienstablaufes und lautsprachbegleitenden Gebärden), wobei der Weihnachtsgottesdienst des Schwerhörigenvereins traditionell in der Reformationskirche in Rüttenscheid unter Mitwirkung des Gesangs- und Gebärdenchors „Tonzeichen“ stattfindet.
Kontakt
Kirchenkreis Essen
Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge
Pfarrerin Sabine Heinrich
Haus der Evangelischen Kirche
III. Hagen 39,
45127 Essen
Telefon 0201 2205-216 (Büro) und 0162 6190209
Mail sabine.heinrich@ekir.de
Diakoniewerk Essen Jugend- und Familienhilfe gGmbH
Mobile Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien in der Gehörlosenseelsorge
Maike Weber
Telefon 0175 6160564
Mail m.weber@diakoniewerk-essen.de
