Logo Evangelische Kirche in Essen


Nachrichten

Wie geht Partizipation?

Kinder, Jugendliche und Familien und ihr Platz in Kirche und Diakonie

Essen, 14.03.2026. Eine Kirche ohne junge Menschen ist eine Kirche ohne Zukunft. Dieser Satz ist so wahr, wie er Gefahr läuft, zu einem Allgemeinplatz zu werden. Doch wo finden Kinder, Jugendliche und Familien bei uns Räume, die sicher sind, die sie eigenverantwortlich selbst gestalten und mit Leben füllen können? Und umgekehrt: Warum nutzen wir die durchaus vorhandenen Kontaktflächen nicht, um ihnen entsprechende Angebote zu machen?

Über diese Fragen diskutierten rund sechzig Haupt- und Ehrenamtliche - Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitarbeitende und Engagierte aus der Jugendarbeit und den Kirchengemeinden, Expertinnen und Experten aus Stadt und Diakonie - bei einem "Forum Zukunft" am 14. März im Weigle-Haus. Die Veranstaltung folgte auf den Zukunftstag des Kirchenkreises Essen im Oktober letzten Jahres und verstand sich als weiterer Baustein im Prozess "Wandel der Kirche in Essen".

Das "Partizipation" ein Schlüsselwort ist, wenn es darum geht, jungen Menschen ein zweites Zuhause zu bieten - darüber bestand weitestgehend Einigkeit. Doch warum ist es oft so schwer, in unseren Gemeinden Orte für Kinder, Jugendliche und Familien zu schaffen, die sie entsprechend ihrer spezifischen Bedürfnisse mit größtmöglicher Eigenverantwortung selbst gestalten können? Wo ihnen das Gefühl vermittelt wird: Hier bist du richtig und darfst so sein und leben wie du bist, hier wirst du geliebt, bist gesegnet, einzigartig und kostbar?

Die nachfolgend genannten Hindernisse, die an diesem Tag immer wieder genannt wurden, und mögliche Lösungen, um sie zu überwinden, sind nur selektive Eindrücke aus den Keynotes zu Beginn, dem Austausch in Kleingruppen und den Werktstattgesprächen am Nachmittag.

HEMMNISSE DER PARTIZIPATION UND WIE SIE SICH VIELLEICHT ÜBERWINDEN LASSEN

- Kirche ist sich noch viel zu oft selbst genug, wartet ab, dass jemand kommt, bespiegelt und bespielt sich selbst, geht nicht vor die Tür und sucht junge Menschen nicht dort auf, wo sich ihr Alltagsleben abspielt. Wir benötigen in dieser Hinsicht noch immer einen Einstellungswandel!

- Kirche nimmt für sich oft in Anspruch, die richtigen Angebote für junge Menschen und Familien zu haben bzw. zu kennen, nimmt aber ihre tatsächlichen Bedürfnisse gar nicht wahr. Stattdessen wollen wir uns mehr mit der Lebensrealität von jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund beschäftigen.

- Im schlimmsten Fall wirken kirchliche Angebote bevormundend: Nur wir wissen, was gut für dich ist. Wenn du bei uns mitmachen willst, musst du dich bei uns einfügen. Nicht immer fühlen sich junge Menschen bei uns ohne Vorbedingung willkommen. Wenn junge Menschen nicht den Erwartungen von Gemeinden oder Einrichtungen entsprechen, bleiben sie oft außen vor. Wir wollen mehr dafür tun, andere Menschen an unsere Tische und in unsere Räume einzuladen!

- Bei Kirche ist wenig Offenheit zu spüren, sich wirklich auf die Lebenswelt junger Menschen einzulassen, ihnen und ihren Bedürfnissen buchstäblich "Platz" zu machen. Oft wird die Gemeindeleitung und die Verantwortung für Angebote von den "Etablierten" beansprucht bzw. geprägt. Wir wollen ihren Einfluss und ihre Macht begrenzen!

- Kirche erkennt das große Potenzial und die Bedeutung von religiöser Bildung in Kindertagesstätten und Schulen nicht bzw. nicht ausreichend und nutzt die dort entstehenden Kontaktmöglichkeiten nicht, sondern sucht den - oft vergeblichen - Kontakt nur in den eigenen Räumen.

- Auch die Zusammenarbeit mit diakonischen Angeboten (Beratung und Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien mit Migrationshintergrund) muss ausgebaut werden. Das fängt mit einer guten Kommunikation und gegenseitigen Wahrnehmung an.

- Hinter dem Rückzug auf die eigene Gemeindegrenze verbirgt sich mitunter eine Ängstlichkeit "der Welt draußen gegenüber". Ein Coaching - "wir schaffen das gemeinsam, wenn wir an einem Strang ziehen" - könnte helfen, diese Scheu, die von jungen Menschen häufig als Ablehnung empfunden wird, zu überwinden.

- Gemeinden bieten ihre Räume zu selten als Möglichkeit an, um Angebote im Rahmen des Ganztags zu gestalten. Wenn, geschieht dies viel zu unsystematisch, eher zufällig. Es gibt zu wenig Vernetzung, Angebote in Kirche, Diakonie und Bildungseinrichtungen bestehen nebeneinander und teilen ihre Erfahrungen nicht miteinander, könnten dabei auf vielfältige Weise voneinander profitieren! Wir benötigen eine Art "Kataster" in dem verzeichnet wird, wo Räume vorhanden sind.

- Evangelische Jugendhäuser und Jugendclubs mit ihrer offenen Arbeit und bedingungslosen Annahme von jungen Menschen aus allen Kulturen und Religionen werden noch immer zu selten als wichtiger und selbstverständlicher Teil von Gemeinde wahrgenommen. Stattdessen soll die Jugendarbeit lieber einen wichtigen Beitrag zum Gemeindeaufbau leisten und den kirchlichen Unterricht bereichern. Dabei erreichen unsere Jugendeinrichtungen gerade jene Kinder, Jugendliche und Familien, Wir wollen ihre Zukunftsängste, Belastungen und Sorgen besser wahrnehmen - denn das ist unsere Aufgabe, die wir als Christinnen und Christen wahrnehmen.

- Wir brauchen deshalb ein bewusstes und vernetztes Denken, dass die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, die auf Erwachsene häufig befremdlich wirken, ernst nimmt und ihre Bedürfnisse und Wünsche auf Augenhöhe anerkennt und respektiert. Die systematische Gewährung von sicheren Räumen in unseren Gebäuden und die Einbeziehung junger Menschen in die Leitung und Verantwortung für unsere Angebote sollten erste Schritte sein, um bestehende Hemmnisse zu überwinden.

Eine vollständige Dokumentation der Ergebnisse veröffentlichen wir nach der Erstellung auf unserer Sonderseite kirche-essen.de/zukunft-kirche.

 

 

 

nach oben ▲