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Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Aus dem Jahresbericht von Superintendentin Marion Greve

Essen, 14.11.2025. In ihrem turnusmäßigen Jahresbericht für die Herbstsynode des Kirchenkreises (14./15.11.) blickt Superintendentin Marion Greve auf den bisherigen Verlauf des Prozesses Wandel der Evangelischen Kirche in Essen - und beschreibt sowohl das bisher Erreichte als auch konkrete Ziele und Herausforderungen. Nachfolgend dokumentieren wir die betreffenden Auszüge aus ihrem Bericht:

Hohe Synode,
liebe engagierte Menschen in unserem Kirchenkreis Essen!

„Siehe, ich will Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ (Jes. 43,19)

Mit dieser Verheißung sind wir am 4. Oktober in unseren Zukunftstag gestartet: JETZT wächst es auf… und haben einen Tag erlebt, an dem wir mit über 100 Teilnehmenden unsere Hoffnungen für eine Kirche von Morgen geteilt haben.

Doch bevor ich mich auf die Suche mache, wo es heute wächst und sprießt – ein kurzer Blick zurück. Dorthin, wo wir gemeinsam die Saat gesät haben. Keine gentechnisch veränderte Zukunfts-Kirche, keine Einheits-Pflanze, sondern bewusst vielfältig und gemeinsam ausgesät – in einem partizipativen Prozess der Jahre 2014 bis 2016.

VON DER KIRCHENKREISKONZEPTION ZUM WANDELPROZESS

Vor gut zehn Jahren haben wir miteinander mit der Kirchenkreiskonzeption ein starkes Fundament gelegt – mit unserem bis heute aktuellen Motto: "Gemeinsam verantworten. Vielfältig gestalten. Mutig verändern." Kein Konzept für die Schublade, sondern eher ein Lebensmotto, das bis heute trägt.

Vor zwei Jahren, 2023, haben wir mit unserem Wandelprozess an dieses Motto angeknüpft. Anstatt angesichts knapper werdender Ressourcen in Schockstarre zu verfallen, haben wir gefragt: Wie bleiben wir als Kirche in Essen auch in Zukunft vital und wirksam?

Die erste Antwort der Junisynode 2023 lautete: Gemeinsam sind wir stärker. Deshalb haben wir alle 26 Gemeinden Gestaltungsräumen (GSR) zugeordnet. Getragen von der Erkenntnis: Zusammenarbeit ist keine Notlösung, sondern sie qualifiziert unsere Kirche als lernende, vielfältige und vernetzte Gemeinschaft.

NUN SIEBEN GESTALTUNGSRÄUME

Entstanden sind zunächst sechs, später sieben Gestaltungsräume – die beiden Gemeinden Borbeck-Vogelheim (ehemals GSR Nord-West) und Altendorf (ehemals GSR Mitte-West) haben aufgrund der räumlichen, sozialen und inhaltlichen Nähe entschieden, einen eigenen, siebten GSR West zu bilden. Im Kreissynodalvorstand setzen wir darauf, dass diese Entscheidung die Lust an konstruktiver Zusammenarbeit fördert – sowohl im neuen Gestaltungsraum als auch in den beiden, denen die Gemeinden bisher angehörten (Karte mit sieben GSR in Anlage 1).

In der Sondersynode im März 2025 haben wir entschieden: Ja, diese damals noch sechs, heute sieben GSR – das könnte der neue Rahmen sein. Kein starres Korsett, sondern eher ein … flexibles Waldgeflecht. Denn wir haben uns von einem Bild inspirieren lassen: ein bunter, vielfältiger Mischwald. Ein Wald, in dem große und kleine Bäume, Sträucher, Farne, Moose und vielleicht auch mal ein ganz schräger Pilz nebeneinander leben – in Verbindung, in Vielfalt, in gemeinsamer Stärke.

Übertragen auf uns heißt das: Ortsgemeinden, innovative Gemeindeformen, Gemeindeübergreifende Dienste, Projekte – alles unter einem grünen, lebendigen Dach. Vernetzt mit gesellschaftlichen Akteuren.

Was mich daran begeistert: Diese Kirche verbindet sich mit dem Stadtteil, mit den Menschen vor Ort. Sie sagt nicht: „Kommt doch mal rein“, sondern fragt: „Wie können wir gemeinsam leben und gestalten?“ Das ist Kirche, die mitmischt.

KONKRETE ZIELSETZUNGEN

Als konkrete Zielsetzungen bis Juni 2026 hat die Synode beschlossen:
-- Verbindliche Absichtsbeschlüsse zur Fusion bzw. Reduzierung von Körperschaften des öffentlichen Rechts mit dem Ziel der Umsetzung möglichst bis zum 1. Januar 2028.
-- Modelle zur strukturellen und inhaltlichen Kooperation werden entwickelt.
-- Verantwortungsträger*innen aus Ortsgemeinden, GÜDs, Diakonie und innovativen Gemeindeformen nehmen über die Gestaltungsräume hinaus auch die gesamte Kirche in Essen in den Blick. In einem festzulegenden Veranstaltungsformat arbeiten sie weiter an der kirchenkreisweiten gemeinsamen Identität, an Kontextwahrnehmung, Vision und Mission.
-- Für den Prozess ab 2030 ist eine denkbare Perspektive der Zusammenschluss der Kirchengemeinden zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts bis 2035.

Mir persönlich macht dieses Waldbild Mut, unsere Essener Kirche weiterzuentwickeln als ein gleichberechtigtes Miteinander von Ortsgemeinden, innovativen Gemeindeformen und Gemeindeübergreifen Diensten und Werken. In der gemeinsamen Verantwortung und auch Lust, Gottes Segen in die Welt zu tragen.

PROZESSFORUM IST GUT GESTARTET

Wie sehen die Erfahrungen aus, die wir bis heute in der zweiten Prozessphase seit der Sondersynode 2025 gesammelt haben?

In den beiden Treffen des Prozessforums, in das jeder GSR eine mandatierte Person entsendet (plus GüDs, SAS und Verwaltung) wurde deutlich, dass viele motiviert in den Prozess der Zusammenarbeit gestartet sind. Im regelmäßig wiederkehrenden Tagesordnungspunkt „Das Wesentliche in drei Minuten“ teilen wir die Berichte aus den einzelnen GSR miteinander: was läuft gut, was ist schwierig?

Wir hören von der Liebe zur Kirche; vom Willen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen; von der Lust, Neues zu bauen statt „Das war schon immer so“; vom „Herantasten“ bis hin zu „Es muss halt jemand machen“.

Auch das, was schwerfällt, wird geteilt. Wie sehr es herausfordert, dass die drei großen Themen „Personal inkl. Pfarrstellen“, „Gebäude“ und „Finanzen“ gemeinsam im Gestaltungsraum verantwortet werden. Lernen können wir von den gemeindlichen Fusionen der zurückliegenden Jahre, deren Abläufe sich nicht signifikant unterscheiden.

OFFENER DIALOG IST ENTSCHEIDEND

Deshalb die herzliche Bitte: Informieren Sie (weiterhin) Ihre Mitarbeitenden vor Ort kontinuierlich über den Stand der Veränderungs- und Fusionsprozesse. Der offene Dialog bleibt entscheidend – sowohl um Fragen zu klären als auch, um eventuelle Unsicherheiten frühzeitig aufzufangen. Es ist hilfreich, wenn es innerhalb jeder Kirchengemeinde eine feste Ansprechperson für solche Anliegen gibt.

Die bestehenden Arbeitsverhältnisse bleiben zunächst möglichst unverändert bestehen. Sollte im weiteren Verlauf – nach Abschluss der Beratungen und Beschlussfassung – ein Betriebsübergang notwendig sein, werden die betroffenen Mitarbeitenden rechtzeitig und in transparenter Weise schriftlich über alle relevanten Veränderungen, mögliche Auswirkungen sowie ihre Rechte informiert. Unsere Verwaltung und unsere MAV unterstützen Sie dabei gerne – wenden Sie sich vor Ort an Ihre jeweilige Gemeindesachbearbeitung.

PFARRSTELLEN IM FOKUS

Neben den beruflich Mitarbeitenden in den Gemeinden haben wir im zweiten Treffen des Prozessforums die Berufsgruppe der Pfarrpersonen in den Blick genommen. Skriba Silke Althaus informierte die Mitglieder des Prozessforums über die Entwicklung des Verfahrens zur Besetzung von Pfarrstellen in den verschiedenen Gestaltungsräumen. Einerseits bleibt das Recht zur Besetzung einer Pfarrstelle bei den einzelnen Presbyterien - andererseits muss auch der Pfarrdienst in den GSR gemeinsam betrachtet werden.

Beispielhaft wurden bei diesem Treffen die Pfarrstellenumfänge pro GSR und die Entwicklungen in den kommenden Jahren auf der Basis der uns vorliegenden geplanten Ruhestände skizziert. Diese Karten wurden mit dem Protokoll den mandatierten Personen in den GSR anschließend zugesandt und können über diese innerhalb der Presbyterien (!) geteilt werden.

Dankbar blicke ich in unserem Kirchenkreis auf eine Mischung von jungen und älteren Pfarrer*innen – im Vergleich zur übrigen Landeskirche ist dies nicht selbstverständlich. Dabei werden wir sorgsam auch das generationsübergreifende Miteinander von Jung und Alt in den Veränderungsprozessen im Blick halten. Ein Pfarrkonvent zu diesem Thema ist im kommenden Jahr angedacht.

Die Gemeindeübergreifenden Dienste unterstützen den Prozess, indem sie die Haltung und die Perspektiven der verschiedenen Arbeitsbereiche eintragen, Kontaktflächen erleichtern und gemeinsam zu bearbeitende Themen aufzeigen.

AN VIELEN STELLEN WÄCHST NEUES

„Siehe, ich will Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ (Jes. 43,19)

Ja – es wächst an vielen Stellen Neues: Spaziergottesdienste in der Gemeinschaft mehrerer Gemeinden, ein „Blind date Format“ im GSR Ost zwischen Gemeindegliedern, gemeindeübergreifende Mitarbeitenden-Treffen, neue gemeinsame Freizeiten mit Konfirmand*innen im GSR Mitte-West, die Seelsorgefelder stellen sich neu auf: zur Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge sowie zur Notfallseelsorge wird Assessorin Monika Kindsgrab der Synode berichten, und und und…

(...)

Und auch Aufhören anfangen (Exnovation) gehört dazu. Christiane Averbeck, Pfarrerin im Projektteam Erprobungsräume unserer Evangelischen Kirche im Rheinland, bot dazu am Zukunftstag einen Workshop an. Sie erkundete mit den Teilnehmenden, wie Exnovation Chancen für kirchliche Vielfalt eröffnet, reflektierte Barrieren des Loslassens und erprobte eine Methode aus den midi Exnovations-Tools (EXMOVE). Einhelliges Fazit: diese Methodik ist hilfreich für unsere anstehenden Entscheidungen, welche Gebäude und Arbeitsfelder wir loslassen, um Freiraum zu erleben – oder Neues wachsen lassen zu können.

(...)

Essen, 14. November 2025

Marion Greve
Superintendentin

 

 

 

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