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Völkermord und Neubeginn

Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Genozid an Eziden

(Essen, 12.01.2024) „Völkermord und Neubeginn“ lautet der Titel einer Ausstellung, die die Evangelische Kirchengemeinde Frohnhausen und die Ezidische Jugend Essen und Ruhrgebiet am Samstag, 13. Januar, um 17 Uhr im Kunstraum Notkirche, Mülheimer Straße 70, eröffnen. Die Werke von Golian Ezdin und Hisham Haji Badal sind ein künstlerisches Zeugnis der Gräueltaten, die im Jahr 2014 durch den Islamischen Staat (IS) an den Eziden verübt wurden.

„Mord und Terror, aber auch Hoffnung und Zuversicht werden in ihrer Kunst lebendig“, heißt es dazu. „Die Werke sollen den Schmerz und die Trauer eines Volkes zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll die Ausstellung aber auch den Mut und die Widerstandskraft der Eziden verdeutlichen.“ - Die Ausstellung, die bis zum 2. März im Kunstraum zu sehen ist, kann dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr sowie freitags und samstags von 10 bis 13 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

HINTERGRUND: DER VÖLKERMORD AN DEN EZIDEN

Eziden oder Jesiden, auch Yeziden, Jeziden, sind eine zumeist Kurmandschi sprechende ethnisch-religiöse Gruppe mit etwa einer Million Angehörigen, deren ursprüngliche Hauptsiedlungsgebiete im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei liegen.

Der Völkermord an den Eziden, begangen durch den sogenannten Islamischen Staat (IS), begann am 3. August 2014 in der nordirakischen Region Sindschar und dauerte die beiden folgenden Jahre hindurch an. Den Angaben der Vereinten Nationen zufolge wurden zwischen fünf- und zehntausend Männer und zumeist ältere Frauen getötet und in Massengräbern verscharrt. Knaben wurden als Kindersoldaten verwendet. Rund siebentausend jüngere Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft; viele von ihnen systematisch vergewaltigt und misshandelt. Im Jahr 2020 fehlte von etwa 2.900 Entführten noch jede Spur.

Der Genozid hatte weitreichende Folgen. Neben den Todesopfern wurden über 400.000 Eziden aus ihrer Heimat vertrieben. Der größte Teil von ihnen lebt heute als Binnenvertriebene in sogenannten IDP-Camps im Norden des Iraks. Über 75.000 Eziden flohen nach Deutschland, eine größere Gruppe lebt in Essen. Viele der Vertriebenen leiden bis heute an Traumata; die Selbstmordrate ist gestiegen. Am 19. Januar 2023 erkannte der Deutsche Bundestag die Verfolgung der Eziden einstimmig als Völkermord an.

 

 

 

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